Was bedeutet Kinesiologie?

Der Begriff Kinesiologie setzt sich aus den altgriechischen Worten kinesis (Bewegung) und logos (Lehre) zusammen und bedeutet wortwörtlich "Lehre von der Bewegung". Die Kinesiologie als Wissenschaft befasst sich mit dem Studium der menschlichen Bewegungen.

In den 1960er Jahren beobachtete der Chiropraktiker George J. Goodhart, dass sich Stresszustände in den Muskeln widerspiegeln. Er entwickelte den Muskeltest und begründete die angewandte Kinesiologie. Sein Schüler John F. Thie adaptierte die Methode auf eine Art und Weise, dass sie als Selbsthilfe auch von interessierten Laien zur Förderung der Gesundheit erlernt und praktiziert werden kann. Dieses Programm nannte er Touch-for-Health (Gesund durch Berühren).

Touch-for-Health stellt heute immer noch die Basis für viele Kinesiologierichtungen dar und gehört in den meisten Ausbildungen zum Standard. Die Kurse werden in der Regel zum Einstieg in die Kinesiologie empfohlen.

Der Pädagoge Paul Dennison entwickelte gemeinsam mit seiner Frau Gail in den 1980er Jahren die angewandte Kinesiologie weiter, um über einfache Bewegungsübungen das Lernen zu fördern: Brain-Gym und Die Edu-Kinestetik waren geboren. Die EDU-K bildet in der angewandten Kinesiologie das zweite Standbein. Aus ihr stammt das sogenannte 5-Schritte-Lernmodell, auf dem der Sitzungsablauf bei der begleitenden Kinesiologie aufgebaut ist. Es folgt der folgenden logischen Struktur:

Singvogel sitzt auf Daumen
  1. Einstimmen auf die Balance: Bereitschaft zum Lernen herstellen
  2. Zielbestimmung: Wissen, wohin ich will
  3. Standortbestimmung: Wo stehe ich gerade in Bezug auf mein Ziel?
  4. Lernprozess über Balanceübungen
  5. Bewusstmachen der Veränderungen: Was habe ich gelernt, was geht nun besser?

Im Einzelnen bedeutet dies, dass wir im ersten Schritt sicherstellen, dass das System testbar und bereit für eine Balance ist. Dann klären wir das Ziel, welches der Klient mit seinen eigenen Worten formuliert. Im dritten Schritt aktivieren wir das Thema und finden über den Muskeltest Aspekte heraus, die daran beteiligt sind. Danach bringen wir das Ziel mit den im dritten Schritt gesammelten Informationen ins Gleichgewicht und lösen den Stress, der mit dem Thema verbunden ist. Zum Schluss beobachten wir die Veränderung, integrieren die Balance und übertragen Sie in den Alltag.

Jeder Schritt ist dabei durch ein wichtiges und angenehmes Merkmal der begleitenden Kinesiologie geprägt: Wir Kinesiologen arbeiten stets sanft, d. h. die Berührungen sind leicht, Bewegungen geschehen ohne Anstrengung und die Haltung gegenüber unseren Klienten ist wertschätzend und achtsam – genau so sanft wie man einen kleinen Singvogel in den Händen halten würde.


Auch wenn jede Balance dem Grundmodell der 5 Schritte folgt, ist doch keine Sitzung wie die andere. Einen guten Kinesiologen werden Sie daran erkennen, dass er sich flexibel an die jeweilige Situation anpasst und seine Methoden kreativ miteinander verbindet.

Nach der Entwicklung von Touch-for-Health und Edu-Kinestetik sind im Laufe der Zeit weitere Kinesiologiesysteme entstanden, mit denen die Basismethoden erweitert, verfeinert und ergänzt wurden, so dass heute die Anwendungsgebiete sehr umfangreich sind und Stress auf vielen Ebenen abgebaut werden kann.

Ist Kinesiologie wissenschaftlich nachweisbar?

Die angewandte Kinesiologie hat sich innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten auf der ganzen Welt verbreitet und hilft Menschen beim Stressabbau in Bezug auf verschiedenste Lebensbereiche. Meridianenergien werden harmonisiert und Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht gebracht. Sowohl Praktizierende als auch Klienten sind davon überzeugt, dass Kinesiologie funktioniert und freuen sich über diese sanfte Methode zur persönlichen Gesundheitsvorsorge in Eigeninitiative. Ich bin selbst ein rational geprägter Mensch und glaube nicht alles, was mir an neuen Errungenschaften angeboten wird.

So stand ich der Kinesiologie zunächst skeptisch gegenüber – bis zu einem Ereignis, bei dem ich mich nicht selbst aus einer festgefahrenen Situation befreien konnte. Erst in einer kinesiologischen Sitzung wurde mir bewusst, dass das aktuelle Problem mit einem eigentlich banalen, jedoch noch immer stressbesetzten Erlebnis aus der Kindheit in Verbindung stand. Durch den Abbau des Stresses auf dem schon längst aus dem Bewusstsein verdrängten Ereignisses begann auch das aktuelle Thema wieder in Bewegung zu kommen und nahm schliesslich eine gute Wendung. Durch diese Erfahrung wurde mir klar, dass wir nicht alle Zusammenhänge allein mit unserem Verstand erfassen können, sondern sich auch Dinge auf anderen Ebenen abspielen, die wir wissenschaftlich nicht erklären können.

Um einen wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, werden sogenannte Doppelblindstudien durchgeführt. Durch standardisierte Testabläufe wird z. B. die Wirkung eines neuen Medikaments im Verhältnis zu einer Vergleichsgruppe (die unwissentlich ein Placebo erhält) statistisch bewertet. Das Problem bei all diesen Studien ist, dass die persönliche Lebenssituation der Probanden nicht mit all ihren Facetten berücksichtigt werden kann. Viele individuelle Faktoren müssen unberücksichtigt bleiben, da ansonsten keine genügend grossen Vergleichsgruppen mit aussagekräftigem Datenmaterial gebildet werden könnten.

Auch wenn eine kinesiologische Sitzung nach einem definierten Modell abläuft, sind die einzelnen Schritte doch sehr von der jeweiligen Situation und dem individuellen Energieaufbau zwischen Anwender und Klienten abhängig und können weder vorausgeplant, noch später reproduziert werden. Das macht einen wissenschaftlichen Nachweis über die vorgegebenen Wege unmöglich. Entscheiden Sie selbst, wie wichtig Ihnen ein wissenschaftlicher Nachweis ist. Können Sie sich ohne diese Grundlage nicht unvoreingenommen auf etwas Neues einlassen oder sind Sie bereit anzunehmen, dass auch ausserhalb wissenschaftlicher Erklärungsmodelle grossartige Dinge geleistet werden?

Situation in der Schweiz

In der Schweiz sind Kinesiologe und Kinesiologin keine reglementierten Berufsbezeichnungen. Jede Person dürfte sich im Grunde so nennen, was für Sie als Klient bedeutet, dass die Berufsbezeichnung an sich keine Rückschlüsse auf die Qualität des Anbieters zulässt. Sollte Ihnen der Weg zur mir nach Winterthur zu weit sein und Sie einen näher gelegenen Anbieter suchen, empfehle ich Ihnen, auf den Ausbildungshintergrund zu achten.

Zum Beispiel stellt eine vom schweizerischen Berufsverband KineSuisse oder von der Deutschen Gesellschaft für angewandte Kinesiologie anerkannte Ausbildung sicher, dass der Kinesiologe/die Kinesiologin eine Mindestanzahl an Kursstunden besucht, erfolgreich eine Abschlussprüfung absolviert und während der Ausbildung bereits gewisse Praxiserfahrung gesammelt hat. Im Detail existieren einige Unterschiede, die beim Studieren der Prüfungsreglemente ersichtlich werden.

Als Klient werden Sie sich jedoch wohl kaum die Mühe machen wollen, so tief ins Detail einzusteigen. Es ist jedoch interessant zu wissen, dass die DGAK den Schwerpunkt auf Methodenkompetenz durch eine breit gefächerte Ausbildung in allen wichtigen kinesiologischen Disziplinen setzt, während KineSuisse auf eine schulmedizinische Grundausbildung und die oben genannten Basissysteme Touch-for-Health und BrainGym fokussiert.

Letztendlich sichert eine zertifizierte Ausbildung den Mindeststandard. Sie kann jedoch nicht eine exzellente Begabung aller geprüften Anbieter garantieren. Daher empfehle ich Ihnen, bei der Auswahl Ihres persönlichen Kinesiologen auf Qualität zu achten und zusätzlich – sofern verfügbar – Erfahrungsberichte und Empfehlungen aus Ihrem persönlichen Umfeld zu berücksichtigen.

Anerkennung durch Krankenkassen

In der Schweiz sind viele Krankenkassen mindestens einer der beiden privatwirtschaftlichen Registrierungsstellen EMR und ASCA angeschlossen und übernehmen – insofern eine entsprechende Zusatzversicherung besteht – einen Teil der Kosten für Kinesiologiesitzungen, die bei registrierten Therapeuten stattfinden. Bedingung für die Erstattungsfähigkeit ist unter anderem, dass Sie den Therapeuten aufgrund von körperlichen Beschwerden aufsuchen (hervorgerufen durch Krankheit oder Unfall).

Ausgaben für Sitzungen im Bereich der Prävention, Lernförderung und Lebenshilfe werden generell nicht durch Krankenkassen erstattet. Bezüglich Krankheiten ist es wichtig zu wissen, dass Diagnostik und Behandlung den Angehörigen eines Heilberufes vorbehalten sind. Begleitende Kinesiologen behandeln keine Krankheiten, aber dürfen am Stress arbeiten, den ein Klient durch eine gesundheitliche Belastung hat.

Anwendungsgebiete der begleitenden Kinesiologie

Eine Hauptdisziplin der begleitenden Kinesiologie ist die Gesundheitserhaltung und -förderung durch das Wiederherstellen des energetischen Gleichgewichts des Menschen (oder auch von Tieren), welches durch Stress aus der Balance geraten ist. Die Idee, den Stress als Schlüssel zu nutzen, ist heute noch genau so aktuell wie zu der Entstehungszeit der begleitenden Kinesiologie. Allerdings stehen uns heute durch die Weiterentwicklung der Methoden sehr viel mehr Ressourcen zur Verfügung, um Stress differenziert aufzuspüren und abzulösen. Dies ist notwendig, weil nicht jeder Stress offensichtlich und bewusst ist, sondern im Verborgenen wirken kann. Die Probleme treten meist erst dann zu Tage, wenn die Ausgleichsmöglichkeiten des Körpers erschöpft sind oder ein zusätzlicher Stressfaktor das Fass zum Überlaufen bringt.

Mit der begleitenden Kinesiologie können wir hier vorbeugend unterstützen, um zu vermeiden, dass sich ein Stress weiter im System festsetzt und langfristig zu ernsten Folgeerscheinungen führt. Stress kann durch vielerlei Arten entstehen, zum Beispiel durch Leistungsdruck, zwischenmenschliche Konflikte, Umweltfaktoren (Gifte, Strahlung, Lärm, etc.), belastende Erlebnisse, unverträgliche Nahrungs- und Genussmittel oder auch innere Einstellungen. Manches davon ist uns bewusst, vieles jedoch nicht. So wissen wir häufig gar nicht den ursächlichen Grund, wenn wir uns unwohl fühlen und finden folglich keine nachhaltige Lösung für das Problem. Eine kinesiologische Sitzung kann in diesem Fall wertvolle Informationen liefern, die dann zum Beispiel eine Anpassung des Verhaltens ermöglichen.

Wir alle kennen Redewendungen, die auf einfache Art einen Zusammenhang zwischen Stress und körperlichen Befindlichkeiten herstellen. Geläufig ist beispielsweise, dass jemandem ein emotionales Thema "auf den Magen schlägt" oder ein schockierendes Erlebnis "an die Nieren geht". Über diese Volksweisheiten lernt bereits jedes Kind, dass Stress nicht gut für die Organe ist. Das Gehirn bildet in diesem Zusammenhang keine Ausnahme. Bei einem gestressten Gehirn kann Lernen schwierig bis unmöglich werden, sind Fehlentscheidungen anzutreffen oder das System schaltet sogar auf Kampf-/Fluchtreaktion um. Dies bedeutet, dass primitive Überlebensreflexe die Führung übernehmen, womit der in unserer zivilisierten Gesellschaft übliche angepasste Verhaltenskonsens ausgehebelt und eine angemessene Reaktion unmöglich wird.

Die kinesiologische Arbeit am Gehirn hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Über die heute verfügbaren Methoden lässt sich Stress im zentralen Nervensystem gezielt adressieren. Das Lösen von vorhandenen Blockaden setzt in der Regel grosse Potentiale frei. Kinder und Erwachsene profitieren gleichermassen von einem gut integrierten Gehirn, welches freien Zugang zu seinen Ressourcen hat. Es ermöglicht leichteres Lernen und angemessenes Reagieren in herausfordernden Situationen.
Auf der Seite über meine Person finden Sie weitere konkrete Beispiele von Anwendungsmöglichkeiten.